Pilgern im Geiste

von | 3. Mai 2020

Jeder, der sich mit der Planung „sei­ner“ Pilgerreise befasst hat, hat sich sicher­lich Gedanken dar­über gemacht, wie er die­se Pilgerreise durch­füh­ren will.

Die Klassiker sind hier sicher­lich:

  • Zu Fuß
  • mit dem Rad
  • mit dem Pferd
  • mit Esel (dem mit vier Beinen!)

Es gab im Mittelalter aber auch die Pilgerreise im Geiste! Nun, was soll denn das wohl sein?

Wikipedia und auch wei­te­re (nicht so ein­fach zu fin­den­de) Literaturen klä­ren auf:

Als Pilgerfahrt im Geiste wird eine spät­mit­tel­al­ter­li­che Frömmigkeitspraxis bezeich­net, bei der Ordensleute oder Laien in ihrer Vorstellung eine Pilgerreise zu einem der bedeu­ten­den Wallfahrtsmittelpunkte (vor allem Jerusalem oder Rom) nach­voll­zo­gen. Vielfach wur­den für die­se Frömmigkeitsübung, die sich in der Regel tage­wei­se an dem Ablauf der Pilgerfahrt ori­en­tier­te, Ablässe gewährt. Pilgerreiseandachten konn­ten sowohl zu meh­re­ren, etwa von einem Konvent, als auch ein­zeln voll­zo­gen wer­den.

Der berühm­tes­te in die­sem Zusammenhang ent­stan­de­ne Text ist die deutsch­spra­chi­ge Schrift des Ulmer Dominikaners Felix Fabri Die Sionspilger, eine Zusammenfassung sei­nes Pilgerreiseberichts ins Heilige Land, der es schwä­bi­schen Dominikanerinnen ermög­li­chen soll­te, die Wallfahrt in der Heimat nach­zu­voll­zie­hen (her­aus­ge­ge­ben 1999 von Wieland Carls).

In der momen­ta­nen Zeit von Corona ist die­se Form des Pilgerns wohl die ein­zig mög­li­che!

Auch wenn mit „Pilgern im Geiste etwas ande­res gemein ist:

Was ist falsch dar­an, sich mit dem Thema Pilgern VOR der eigent­li­chen Pilgerreise aus­ein­an­der zu set­zen? Sicherlich mögen nun eini­ge sagen: „Nein, ich pil­ge­re lie­ber ohne Vorbereitung und las­se den Tag auf mich zukom­men…“

Aber es ist sicher­lich nicht falsch sich vor­her mit dem Pilgern und auch der Gegend zu beschäf­ti­gen „durch die man pil­gert“. Zum Einen ist Vorfreude bekannt­lich die schöns­te Freude, zum Anderen gibt es viel­leicht das eine oder ande­re zu ent­de­cken auf der Pilgerreise. Man kommt ja viel­leicht spä­ter nicht mehr in die Gegend und nur wer sich vor­be­rei­tet, weiß (viel­leicht) was es auf sei­ner Strecke für ihn inter­es­san­tes zu sehen oder zu besich­ti­gen gibt. Auch die Beschäftigung mit evtl. Unterkunftsmöglichkeiten ist nicht ganz so falsch!

Es kann schon sehr frus­trie­rend sein, sich am Abend noch auf die Suche nach einer Unterkunft machen zu müs­sen, weil die geplan­te z. B. wegen Umbau oder Renovierung geschlos­sen ist. Das haben wir am eige­nen Leib nach fast 30 km erlebt und das mit­ten in der Hauptferienzeit. Wir haben auf unse­rem Weg von Köln nach Santiago de Compostela vie­les geplant, genug davon wie­der ver­wor­fen und ande­re Wegstrecken geplant. Wir haben es nie bereut, uns im Vorhinein mit dem Weg, den mög­li­chen Unterkünften, der Gegend und den geist­li­chen Stätten beschäf­tigt zu haben.

Ich glau­be, auch so kann man wenigs­tens schon ein­mal ein Stückchen ins Pilgern „ein­tau­chen“, auch wenn es mehr als frus­trie­rend ist, sei­ne Pilgerfahrt viel­leicht um ein Jahr ver­schie­ben zu müs­sen. Keine Angst: Trotz aus­gie­bi­ger Planung wird die tat­säch­li­che Pilgerreise sicher­lich trotz­dem genug uner­war­te­tes besche­ren. Auch das haben wir in den ins­ge­samt 131 Tagen unse­rer Pilgerreise zu genü­ge erle­ben dür­fen.

Wie heißt es doch so schön: „Und ist der Plan auch gut gelun­gen, bestimmt ver­trägt er Änderungen!“

In die­sem Sinne wün­schen wir euch viel Freude bei der etwas ande­ren „geis­ti­gen Pilgerreise“ und noch mehr Freude bei eurer hof­fent­lich dann irgend­wann „ech­ten“ Pilgerreise.

Buen Camino!

Bildnachweis:
C. by W.Lethtert: Fenster in der klei­nen Kapelle Saint-Jacques bei Rochgude (Frankreich) (54. Tag unse­rer Pilgerreise)