Pilgern im Geiste

Jeder, der sich mit der Planung „seiner“ Pilgerreise befasst hat, hat sich sicherlich Gedanken darüber gemacht, wie er diese Pilgerreise durchführen will.
Die Klassiker sind hier sicherlich:
- Zu Fuß
- mit dem Rad
- mit dem Pferd
- mit Esel (dem mit vier Beinen!)
Es gab im Mittelalter aber auch die Pilgerreise im Geiste! Nun, was soll denn das wohl sein?
Wikipedia und auch weitere (nicht so einfach zu findende) Literaturen klären auf:
Als Pilgerfahrt im Geiste wird eine spätmittelalterliche Frömmigkeitspraxis bezeichnet, bei der Ordensleute oder Laien in ihrer Vorstellung eine Pilgerreise zu einem der bedeutenden Wallfahrtsmittelpunkte (vor allem Jerusalem oder Rom) nachvollzogen. Vielfach wurden für diese Frömmigkeitsübung, die sich in der Regel tageweise an dem Ablauf der Pilgerfahrt orientierte, Ablässe gewährt. Pilgerreiseandachten konnten sowohl zu mehreren, etwa von einem Konvent, als auch einzeln vollzogen werden.
Der berühmteste in diesem Zusammenhang entstandene Text ist die deutschsprachige Schrift des Ulmer Dominikaners Felix Fabri Die Sionspilger, eine Zusammenfassung seines Pilgerreiseberichts ins Heilige Land, der es schwäbischen Dominikanerinnen ermöglichen sollte, die Wallfahrt in der Heimat nachzuvollziehen (herausgegeben 1999 von Wieland Carls).
In der momentanen Zeit von Corona ist diese Form des Pilgerns wohl die einzig mögliche!
Auch wenn mit „Pilgern im Geiste etwas anderes gemein ist:
Was ist falsch daran, sich mit dem Thema Pilgern VOR der eigentlichen Pilgerreise auseinander zu setzen? Sicherlich mögen nun einige sagen: „Nein, ich pilgere lieber ohne Vorbereitung und lasse den Tag auf mich zukommen…“
Aber es ist sicherlich nicht falsch sich vorher mit dem Pilgern und auch der Gegend zu beschäftigen „durch die man pilgert“. Zum Einen ist Vorfreude bekanntlich die schönste Freude, zum Anderen gibt es vielleicht das eine oder andere zu entdecken auf der Pilgerreise. Man kommt ja vielleicht später nicht mehr in die Gegend und nur wer sich vorbereitet, weiß (vielleicht) was es auf seiner Strecke für ihn interessantes zu sehen oder zu besichtigen gibt. Auch die Beschäftigung mit evtl. Unterkunftsmöglichkeiten ist nicht ganz so falsch!
Es kann schon sehr frustrierend sein, sich am Abend noch auf die Suche nach einer Unterkunft machen zu müssen, weil die geplante z. B. wegen Umbau oder Renovierung geschlossen ist. Das haben wir am eigenen Leib nach fast 30 km erlebt und das mitten in der Hauptferienzeit. Wir haben auf unserem Weg von Köln nach Santiago de Compostela vieles geplant, genug davon wieder verworfen und andere Wegstrecken geplant. Wir haben es nie bereut, uns im Vorhinein mit dem Weg, den möglichen Unterkünften, der Gegend und den geistlichen Stätten beschäftigt zu haben.
Ich glaube, auch so kann man wenigstens schon einmal ein Stückchen ins Pilgern „eintauchen“, auch wenn es mehr als frustrierend ist, seine Pilgerfahrt vielleicht um ein Jahr verschieben zu müssen. Keine Angst: Trotz ausgiebiger Planung wird die tatsächliche Pilgerreise sicherlich trotzdem genug unerwartetes bescheren. Auch das haben wir in den insgesamt 131 Tagen unserer Pilgerreise zu genüge erleben dürfen.
Wie heißt es doch so schön: „Und ist der Plan auch gut gelungen, bestimmt verträgt er Änderungen!“
In diesem Sinne wünschen wir euch viel Freude bei der etwas anderen „geistigen Pilgerreise“ und noch mehr Freude bei eurer hoffentlich dann irgendwann „echten“ Pilgerreise.
Buen Camino!
Bildnachweis:
C. by W.Lethtert: Fenster in der kleinen Kapelle Saint-Jacques bei Rochgude (Frankreich) (54. Tag unserer Pilgerreise)